Herr Pecherski, Bluespoon ist bereits zum zweiten Mal über Invesdor finanziert. Warum gehen Sie diesen Weg erneut?
Die erste Runde war für uns in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Meilenstein. Natürlich ging es um Kapital – aber nicht nur. Wir konnten das Darlehen vollständig und planmäßig zurückzahlen und gleichzeitig unser Geschäft deutlich weiterentwickeln.
Was wir dabei gelernt haben: Crowdinvesting bringt mehr als Finanzierung. Es bringt Sichtbarkeit, Vertrauen und eine Gruppe von Investoren, die sich tatsächlich für das Unternehmen interessieren – und häufig auch selbst zu Kunden werden. Genau diese Kombination hat uns überzeugt, diesen Weg erneut zu gehen.
Was hat sich seit der ersten Runde konkret verändert?
Wir sind heute deutlich strukturierter und belastbarer aufgestellt. In den vergangenen Jahren haben wir unser Sortiment erweitert, unsere Prozesse professionalisiert und unsere Logistik effizienter gemacht.
Vor allem aber haben wir gezeigt, dass unser Modell funktioniert – nicht nur in Wachstumsphasen, sondern auch unter anspruchsvolleren Marktbedingungen. Das ist aus unserer Sicht ein entscheidender Unterschied zu vielen jüngeren E-Commerce-Unternehmen.
Der Markt für Geschirr ist kein klassischer „High-Growth-Markt“. Woher kommt Ihr Wachstum?
Gerade das ist interessant. Wir bewegen uns in einem stabilen, etablierten Markt – aber innerhalb dieses Marktes verschieben sich die Spielregeln.
Klassische Anbieter sind oft stark im stationären Handel verankert und reagieren langsamer auf Trends. Gleichzeitig gibt es viele sehr preisgetriebene Angebote, die austauschbar sind.
Wir sitzen genau dazwischen. Wir entwickeln eigene Designs, bauen eine klare Marke auf und nutzen gleichzeitig die Geschwindigkeit und Datenbasis des E-Commerce. Dadurch können wir sehr schnell sehen, welche Produkte funktionieren – und diese gezielt weiter ausbauen.
Ein zusätzlicher Faktor ist unsere Produktionsstruktur. Wir arbeiten bewusst mit kleineren Serien und kleineren Manufakturen, was uns deutlich mehr Flexibilität gibt. Anstatt große Mengen im Voraus zu produzieren und langfristig zu planen, können wir schneller auf Nachfrage reagieren, erfolgreiche Produkte nachjustieren und neue Designs testen.
Das reduziert nicht nur das Risiko von Überbeständen, sondern ermöglicht es uns auch, Trends früh aufzugreifen und unser Sortiment dynamisch weiterzuentwickeln. Gerade im Zusammenspiel mit unseren Daten aus dem Onlinevertrieb entsteht so ein sehr agiles Modell, das in einem ansonsten eher trägen Marktumfeld einen klaren Vorteil bietet.
Das Kapital aus der aktuellen Runde soll vor allem in Warenbestand und Sortiment fließen. Warum ist das der richtige Hebel?
Weil unser Geschäftsmodell genau dort skaliert.
Wir sehen sehr schnell, welche Produkte funktionieren. Die Herausforderung ist dann nicht mehr die Idee, sondern die Verfügbarkeit. Wenn ein Produkt gut läuft, müssen wir es in ausreichender Menge liefern können – sonst verlieren wir Potenzial.
Gleichzeitig ermöglicht uns ein breiteres Sortiment, die Marke weiter auszubauen und zusätzliche Kaufanlässe zu schaffen. Beides zahlt direkt auf Wachstum ein.
Sie bieten Investoren Rabatte auf Ihre Produkte an. Was steckt dahinter?
Wir sehen unsere Investoren nicht nur als Kapitalgeber, sondern als Teil unserer Marke.
Viele investieren, weil sie das Produkt verstehen – und genau das macht den Unterschied. Wenn Investoren gleichzeitig Kunden sind, entsteht eine ganz andere Verbindung. Das stärkt langfristig auch die Marke selbst.
Ein Teil der Investoren kommt aus verschiedenen europäischen Ländern. Wie stellen Sie sicher, dass diese auch praktisch von ihrem Investment profitieren können?
Wir sind seit Jahren im internationalen E-Commerce aktiv und haben entsprechende Strukturen aufgebaut. Versand innerhalb Europas ist für uns tägliches Geschäft.
Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass auch internationale Investoren ihre Vorteile nutzen können. Unser Ziel ist eine möglichst einfache und reibungslose Erfahrung – unabhängig davon, aus welchem Land jemand investiert.
Letzte Frage: Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Investment?
Weil wir nicht mehr am Anfang stehen.
Wir haben ein funktionierendes Modell, eine etablierte Marke und belastbare Strukturen. Gleichzeitig sehen wir noch erhebliches Wachstumspotenzial – vor allem durch den Ausbau unseres Sortiments und unserer Marktpräsenz.
Jetzt geht es nicht mehr darum, etwas zu beweisen.
Jetzt geht es darum, etwas weiter auszubauen.